Erich Kästner

1      EINLEITUNG

Kästner, Erich, Pseudonyme Melchior Kurtz, Eric Kästner und Berthold Bürger, (1899-1974), Schriftsteller. Bekannt wurde er vor allem durch seine Beiträge zur Kinder- und Jugendliteratur, die in über 40 Sprachen erschienen.

Kästner wurde am 23. Februar 1899 in Dresden geboren und besuchte die Volksschule sowie anschließend das Lehrerseminar in Dresden. Nachdem er im 1. Weltkrieg bei der Schweren Artillerie gedient hatte, studierte er zwischen 1920 und 1925 Germanistik, Geschichte, Philosophie und Theaterwissenschaften in Leipzig, Rostock und Berlin. Nach seiner Promotion über Friedrich den Großen und die deutsche Literatur (1925) arbeitete Kästner als Redakteur bei der Neuen Leipziger Zeitung, bevor er 1927 als freier Schriftsteller nach Berlin übersiedelte und sich mit Kritiken (u. a. für die Vossische Zeitung und die Weltbühne), Essays, Gedichten, Kinderbüchern sowie mit zeitkritisch-bissigen Texten fürs Kabarett einen Namen machte. Sein 1931 veröffentlichter Roman Fabian. Die Geschichte eines Moralisten kritisiert den allgemeinen Werteverfall der Berliner Großstadtwelt und setzt sich vor diesem Hintergrund humorvoll-satirisch mit Militarismus, Spießbürgerlichkeit und aufkommendem Faschismus auseinander. Auch die zur Zeit der Weimarer Republik publizierten Lyrikbände Kästners geben sich ganz im politisch-engagierten Stil einer Neuen Sachlichkeit: Mit ihnen avancierte der Autor zu einem der beliebtesten deutschen Schriftsteller seiner Zeit. Nach der so genannten Machtergreifung Adolf Hitlers musste Kästner miterleben, wie seine Werke während der Bücherverbrennung ein Opfer der Flammen wurden. Dennoch entschloss er sich, aus der Schweiz zurückzukehren und als Beobachter in Deutschland zu bleiben, wo er des Öfteren inhaftiert wurde. Seine Werke erschienen fortan nur noch im Ausland, vornehmlich in der Schweiz (Drei Männer im Schnee, 1934; Die verschwundene Miniatur, 1935; Georg und die Zwischenfälle, 1938); mit einem 1943 gegen ihn verhängten totalen Schreibverbot wurde ihm auch dies unmöglich gemacht.

Nach 1945 wurde der Autor in München Leiter des Feuilletons der Neuen Zeitung und gründete mit anderen das Kabarett Die Schaubude. Auch gab er kurzzeitig die Jugendzeitschrift Pinguin heraus. Gemeinsam mit Freunden entstand 1951 das Kabarett Die kleine Freiheit. Die Groteske Die Schule der Diktatoren von 1956 illustriert Kästners Versuch, auch auf der Bühne wirksam zu werden. Autobiographisches erschien unter den Titeln Als ich ein kleiner Junge war (1957) und Notabene 45 (1961). 1957 erhielt Kästner den Georg-Büchner-Preis. Im gleichen Jahr begann seine Arbeit als Präsident des PEN-Zentrums der Bundesrepublik (bis 1962). Kästner starb am 29. Juli 1974 in München. Ein Romanprojekt über die Zeit des Nationalsozialismus wurde nicht verwirklicht.

Kästner erhielt zahlreiche Literaturpreise, darunter 1956 den der Stadt München und 1960 die Hans-Christian-Andersen-Medaille in Luxemburg. Der von der Erich-Kästner-Gesellschaft in München verliehene Erich-Kästner-Preis wurde u. a. an Peter Rühmkorf (1979) und Loriot (1984) vergeben.

Erich Kästner in seinem letzten Lebensdrittel

2    WERK

Zu Kästners Gedichtbänden gehören Herz auf Taille (1928), Lärm im Spiegel (1929), Ein Mann gibt Auskunft (1930), Gesang zwischen den Stühlen (1932) und Dr. Erich Kästners lyrische Hausapotheke (1935); in ihnen wird mit viel Humor in einer vom Autor so genannten „Gebrauchslyrik” vor allem das Alltagsleben des einfachen, gesellschaftlich wie wirtschaftlich gebeutelten Bürgers sowie satirisch der ökonomische Faktor des Krieges thematisiert. Weltweit bekannt wurden seine spannenden Kinderbücher, welche mit pädagogischem Impuls und in klarer, anschaulicher Sprache kindliche Pfiffigkeit sowie allgemein menschliche Werte wie Hilfsbereitschaft oder Nächstenliebe über eine korrupte und kriminelle Erwachsenenwelt siegen lassen. Vor allem Emil und die Detektive (1929; Bühnenfassung 1930) war ein großer Publikumserfolg, der den schwachen Band Emil und die drei Zwillinge (1934) nach sich zog. Wie Emil und die Detektive (verfilmt 1931 nach dem Drehbuch von Billy Wilder, 1935, 1954 und 1964) wurden auch Kästners Kinderbücher Das fliegende Klassenzimmer (1932, 1954 mit Paul Dahlke, 1973 mit Joachim Fuchsberger) und Das doppelte Lottchen (1949) verfilmt, Letzteres nach sechs früheren Kinoadaptionen 1993 unter dem Titel Charlie & Louise – Das doppelte Lottchen von Joseph Vilsmaier (mit Corinna Harfouch, Heiner Lauterbach und Hanns Zischler) und 1998; die Verfilmung Josef von Bakys von 1950 erhielt zwei Bundesfilmpreise, u. a. für Kästners Drehbuch. 1999 kam, passend zum 100. Geburtstag des Autors, eine in die deutsche Gegenwart versetzte Neuverfilmung des 1930 erschienenen Bandes Pünktchen und Anton (mit Meret Becker; Erstverfilmung 1953) in die Kinos. Die pazifistische Fabel Konferenz der Tiere (1949) war Vorlage eines Zeichentrickfilms. Von Kästners Romanen – darunter Die verschwundene Miniatur (1936) und Der Zauberlehrling (1974) – wurde auch das Gesellschaftsmärchen Drei Männer im Schnee (1936) erfolgreich vom Kino adaptiert. Darüber hinaus schrieb Kästner die Drehbücher zu den Filmen Dann schon lieber Lebertran (1932) von Max Ophüls und Münchhausen (1943) mit Hans Albers in der Titelrolle.

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