Es war vermutlich nicht nur die Neugier alter Völker bezüglich Tag und Nacht und Sonne,
Mond und Sternen, die zu der Beobachtung der Himmelsphänomene führte. Der Ursprung
der Astronomie lag wohl eher in der Notwendigkeit, genau die Zeitpunkte für die Saat und
die Ernte zu bestimmen sowie Richtungen und Standorte auf langen Reisen festzustellen.
Siehe Archäoastronomie Die richtige Deutung der Himmelsphänomene war für Saat und
Ernte von unerschöpflichem Wert. Den alten Völkern zeigte der Himmel viele regelmäßige
Erscheinungen. Die helle Sonne, die den Tag von der Nacht trennte, ging jeden Morgen im
Osten auf, bewegte sich während des Tages über den Himmel und ging im Westen, in der
beinahe entgegengesetzten Richtung, wieder unter. Nachts waren Tausende von Sternen zu
sehen. Wie die Sonne bewegten auch sie sich auf regelmäßigen Bahnen. Dauerhafte Sterngruppen
schienen um einen festen Punkt am Himmel, den nördlichen Himmelspol, zu rotieren. Diese
Gruppierungen nannte man Sternbilder. In der nördlichen gemäßigten Zone bemerkten die
Menschen, dass Tag und Nacht unterschiedlich lang waren. An langen Tagen ging die Sonne
im Nordosten auf und stand mittags hoch am Himmel. An den Tagen mit langen Nächten ging
die Sonne im Südosten auf und stieg nicht so hoch. Beobachtungen von Sternen, die nach
Sonnenuntergang im Westen oder vor Sonnenaufgang im Osten zu sehen sind, zeigten, dass
sich die Position der Sonne zu den Sternen allmählich ändert. Wahrscheinlich entdeckten zuerst
die Ägypter, dass sich die Sonne in ungefähr 365 Tagen und Nächten vollständig um die Kugel
mit den Fixsternen dreht.

In die zwölf Tierkreiszeichen, nämlich
Steinbock, Wassermann, Fische, Widder,
Stier, Zwillinge, Krebs, Löwe, Jungfrau,
Waage, Skorpionund Schütze, teilte
Ptolemäus im 2. Jahrhundert n. Chr.
die Bahn von Sonne, Mond und
Planeten ein.

Weiteren Untersuchungen zufolge bewegten sich Sonne, Mond und fünf helle Planeten auf einer
engen Bahn namens Tierkreis über die Sternenkuppel. Der Mond durchquert den Tierkreis schnell
und überholt dabei die Sonne alle 29,5 Tage. Dieser Zeitraum wird synodischer Monat genannt.
Sternbeobachter in alten Zeiten versuchten, die Tage und Monate oder Jahre in ein zusammen-
hängendes Zeitsystem, den Kalender, zu bringen. Da weder ein vollständiger Monat noch ein
vollständiges Jahr eine ganze Zahl von Tagen umfassen, ordneten die Verfasser von Kalendern
den Monaten eine verschiedene Anzahl von Tagen zu. Im Durchschnitt entsprachen diese Daten
auf lange Sicht fast den tatsächlichen Werten. So sieht der moderne Kalender 97 Schaltjahre in
einem Zeitraum von 400 Jahren vor. Dadurch hat ein Jahr durchschnittlich 365,2425 Tage,
was ziemlich genau dem astronomisch bestimmten Wert von 365,2422 entspricht. Die Sonne
und der Mond durchziehen den Tierkreis immer von Westen nach Osten. Im Gegensatz dazu
bewegen sich die fünf hellen Planeten – Merkur, Venus, Mars, Jupiter und Saturn, die sich im
Allgemeinen vor dem Hintergrund der Sterne auch nach Osten bewegen – unterschiedlich lange
nach Westen oder rückläufig. So sieht es aus, als würden die Planeten ihren Kurs nach Osten
unberechenbar gestalten und Schleifen auf ihrem Weg einlegen. Seit dem Altertum glaubten
die Menschen, Ereignisse am Himmel, besonders die Bewegungen der Planeten, wären mit ihrem
eigenen Schicksal verbunden. Dieser Glaube führte zur Astrologie und zur Entwicklung von
mathematischen Schemata für die Vorausberechnung von Planetenbewegungen.


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