Sommerakademie
Brandenburg 2008
PLiM – Performatives Lernen im Medienzeitalter
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
Die Sommerakademie Brandenburg wird seit dem Jahr 2000 einmal jährlich durchgeführt und versteht sich als Fortbildungsveranstaltung für alle, die theater- und medienpädagogische Verfahren in ihrem Unterricht anwenden wollen. Außerdem bietet sie eine gute Gelegenheit für einen landesübergreifenden Erfahrungsaustausch, da bis zu 60 Kolleginnen und Kollegen daran teilnehmen. Die Sommerakademie ist die geeignetste Form, den abrupten Schritt von der Schule in die Ferien auf sinn- wie genussvolle Weise zu erleben.
Für die Jahre 2008 – 2010 wird aus aktuellem Anlass ein neuer Themenzyklus bearbeitet:
„Werte im Wandel“
Die Lebenssituationen von Kindern und Jugendlichen haben sich in den letzten 50 Jahren tiefgreifend verändert. Die Vorstellungen einer wohl behüteten Kindheit und einer Jugendzeit, die als sichere Vorbereitung auf das Leben verstanden wurden, gehören der Vergangenheit an. Orientierungslosigkeit in der Kindererziehung und Perspektivlosigkeit der Jugendlichen sind dabei spezifischer Ausdruck einer historischen Umbruchsituation der Gesellschaften weltweit.
Die traditionellen Formen des Zusammenlebens lösen sich auf, ohne dass andere normbildende Beziehungsmustern an ihre Stelle treten. Kinder und Jugendliche sollen durch Erziehung und Bildung auf ihr zukünftiges Leben vorbereitet werden – aber wer weiß schon auf welches Leben. Die zunehmende Individualisierung und Pluralisierung unserer Gesellschaft führt zu einer Differenzierung der Lebensstile und Lebensentwürfe, so dass der soziale Zusammenhalt verloren zu gehen droht. Die schwindende ökonomische Vormacht der alten Industrienationen unter den Bedingungen einer globalisierten Welt lassen den wirtschaftlichen Konkurrenzdruck auf den einzelnen immer stärker werden. Dies hat für alle spürbare Auswirkungen auf gesellschaftliche Strukturen sowie auf individuelle Lebensentwürfe und die Chancen ihrer Realisation.
In dieser Situation des dynamischen Wandels unter globalen Bedingungen neigt auch unsere Gesellschaft dazu, sich auf WERTE als Grundlagen des Gemeinwesens zu besinnen. Ob jedoch die Propagierung einer deutschen „Leitkultur“ oder die Forderung nach „preußischen Tugenden“ wie Genügsamkeit, Pflichterfüllung, Selbstdisziplin und Ehrlichkeit die Lösung der anstehenden Probleme mit sich bringt, ist mehr als fraglich. Die Sommerakademie Brandenburg will sich an dieser Diskussion über die Werte als die individuelle und soziale Handeln bestimmenden Grundlagen beteiligen.
Der Zyklus teilt sich in drei Unterthemen*:
2008: Gesellschaftliche Werte
2009: Individuelle Werte
2010: Individuelle und gesellschaftliche Werte
2008: Gesellschaftliche Werte. Stückvorlage: Top Dogs. Urs Widmer. 1997
Besonders in Deutschland erscheint die Frage nach dem Wir- Gefühl und den Gemeinsamkeiten unserer Gesellschaft antiquiert bzw. von deutscher Geschichte belastet. Andere westliche Industrienationen vereinen sich bisweilen noch unter der Fahne der Nation und im gemeinsamen Singen der Hymne. Patriotische Gefühle sind bei uns hingegen vielen noch suspekt. Nichts desto trotz stellt sich auch für unsere Gesellschaft die Frage, was uns als Individuen noch verbindet. Können wir gemeinsam auf etwas stolz sein? Haben wir gemeinsam Werte, die wir für verteidigungswert halten? Wie würde die Verteidigung aussehen
Aber was geschieht, wenn wir diese Fragen mit NEIN beantworten? Kommen wir jedoch zu positiven Antworten, wird dann nicht die historische Errungenschaft des autonomen Individuums zu sehr eingeschränkt? Und wer legt die gemeinsamen Werte fest?
Mit dem Stück „Top Dogs“ können diese Fragen in der Sommerakademie 2008 einführend behandelt werden. An den entlassenen Top-Managern zeigt sich, wie gesellschaftliche Werte das Individuum derart bestimmen, dass keine individuellen Werte mehr herangezogen werden können. Thematisiert werden gesellschaftliche Werte, die sich aus dem Bereich eines auf Profit hin orientierten ökonomischen Systems ergeben.
Hier können Sie Sich die Einladung zur Sommerakademie und den Anhang zur Sommerakademie herunterladen.