St. Petersburg 2010

Erster Schüleraustausch mit Russland – aufregend, unvergesslich und mit vielen Emotionen

Power-Point-Präsentation zur Reise

Luckenwalde, den 14.April: 14 Schülerinnen und Schüler des Friedrich–Gymnasiums Luckenwalde, Fr. Dr. Seemann, Fr. Kagelmacher und unser Schulleiter, Herr Kohl, warteten voller Anspannung auf den Bus Richtung Flughafen Berlin Tegel. Hier sollte der erste Schüleraustausch mit einer russischen Schule in St. Petersburg beginnen.

Nach dem zweistündigen Flug war die Aufregung perfekt. Was würde uns in den nächsten 8 Tagen erwarten? Jeder von uns wusste, dass St. Petersburg eine der schönsten Städte der Welt ist, aber wie würde alles in den Familien klappen? Wir waren zwar schon länger in Kontakt mit unseren Gastgeschwistern, doch das war nur per E-Mail.

Auf dem Flughafen wurden wir herzlich von unseren Partnern mit Blumen, Luftballons und Fähnchen empfangen. Nach dem ersten aufregenden und zugleich anstrengenden Nachmittag und Abend in der zeitweiligen neuen Heimat trafen sich alle Beteiligten am Donnerstagmorgen in der Schule 605. Russische Schulen habe Nummern, keine Namen.

Die Schule mit erweitertem Deutschunterricht wurde besichtigt. Wir staunten nicht schlecht als wir hörten, dass maximal 9(!) Schüler im Sprachunterricht sind. Wir durften am Unterricht teilnehmen und beantworteten Fragen, kamen ins Gespräch. Parallel dazu unterzeichnete Herr Kohl und die Direktorin der russischen Schule, Frau Valentina Aleksandrovna Egorova, einen Partnerschaftsvertrag, der eine langjährige Freundschaft zwischen unseren Schulen besiegeln soll. Wir tauschten Daten zu unserem gemeinsamen Namen-Projekt. Dieses Projekt begann bereits im letzten Jahr mit einem vergilbten Zettel aus einem Bunker, auf dem Namen und Adressen ehemaliger Sowjetsoldaten standen. Sie waren wahrscheinlich bei Wünsdorf stationiert. Da die Adressen nicht vollständig sind, hoffen wir sowohl in Deutschland als auch in Russland auf Unterstützung bei der Recherche. Vielleicht gelingt es uns sogar irgendwann, sich mit jemandem zu treffen. Damit wollen wir einen kleinen Baustein zum Haus Europa beitragen.

Die Großstadt lag uns zu Füßen: Durch die sich anschließende Stadtrundfahrt ahnten wir schon, was uns in den nächsten Tagen erwarten würde – eine wunderschöne Stadt an der Newa, sehr gut rekonstruiert mit unzählig vielen verschiedenen Sehenswürdigkeiten. Nun schon mutiger, fuhren wir mit der äußerst preiswerten  „Metro“ zur weltberühmten Peter-und Pauls-Festung. Überwältigt von Glanz und Prunk der auf einer Insel gelegenen Festung, konnten wir den restlichen Nachmittag schon selbst mit unseren Gastgeschwistern gestalten.

Am Sonnabend hatten wir die Möglichkeit, die Stadt mit unseren Gastfamilien zu ergründen und die gastfreundlichen Familien so noch besser kennen zu lernen. So langsam bekamen wir eine Vorstellung von der sprichwörtlichen Gastfreundschaft. Einige bummelten in der Stadt, andere gingen abends zu Freunden, auch ein Besuch im weltberühmten Marinskij-Theater war einigen gegönnt, hier wurden sie mit dem Ballett ‚Romeo und Julia‘ verwöhnt.

Natürlich war die Eremitage auch ein Programmpunkt. Im größten Museen der Welt müssten wir uns 8 Jahre aufhalten, wenn wir für jedes Bild nur eine Minute investiert hätten. Zügigen Schrittes konnten wir einen kleinen Ausschnitt dieser Sammlung genießen. Auch die Isaaks-Kathedrale und das Bernsteinzimmer im Katharinenpalast waren eine Augenweide. Unvorstellbar, dass viele dieser Schätze im Krieg zerstört waren oder vernichtet wurden und wieder aufgebaut werden mussten.

Am letzte Tag vor der Abreise waren sportliche Aktivitäten angesagt. Das Bowlen bereitete allen viel Spaß, alle bekannten Sprachen waren zu hören, die Verständigung war eigentlich kein Problem mehr.  

Zum Abschiedsabend trafen wir uns in der Schule, beide Seiten zeigten ein kleines Programm. Die russischen Mütter versorgten alle mit Blinys, Piroschkis und vielen anderen leckeren Speisen.

Der ‚Eisbrecher‘ war der deutsche Volkstanz „ Annemarie“, zunächst von uns vorgeführt, dann gemeinsam getanzt. Viele Gesellschaftsspiele wurden gespielt, so dass lustige Fotos entstanden. Mit Tränen in den Augen verabschiedeten wir uns schon an diesem Abend.

 

St. Petersburg, den 21.04.2010: Anspannung war wieder da, aber diesmal eine andere. Unsere Koffer gingen kaum zu, denn jeder musste noch die vielen Geschenke für zu Hause einpacken. Einerseits waren wir froh, dass sich die Flugsituation in Europa wieder normalisierte und wir nach Hause konnten. Andererseits waren wir traurig, die Gastfamilien wieder verlassen zu müssen. Gerade gewöhnt, waren die 8 Tage leider schon vorbei. Die Tränen flossen beim Abschied wirklich, denn wir haben Freunde gefunden, die ähnlich denken und fühlen.

Es bleiben hoffnungsvolle Erwartungen auf ein baldiges Wiedersehen im September 2010 am Friedrich-Gymnasium. Wir bedanken uns bei der Stiftung Deutsch-Russischer Jugendaustausch für die großzügige Unterstützung unseres Projektes und natürlich bei Frau Kagelmacher und Frau Dr. Seemann für die perfekte Vorbereitung und gute Betreuung vor Ort.

Annegret Fechner/Sven-Martin Wolff, beide 12.Klasse

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