Schüler unseres Friedrich-Gymnasiums hatten 8
erlebnisreiche Tage in St. Petersburg.
Am 22.01 in „Tegel“ waren nach wirklich
aufregenden Reisevorbereitungen alle 52 Reisenden komplett, davon 43
Teilnehmer vom Goethe-Schiller Gymnasiums Jüterbog sowie neun
Friedrichianer (acht Schüler der 11. bis 13. Klasse und unsere
Russischlehrerin Frau Dr. Seemann).
Nach der Landung in „Pulkowo“ stand uns schon die
erste Hürde in Form von Migrationskarten bevor. So sollte man im Idealfall
bei Ankunft den A-Teil abgeben und bei Abreise den B-Teil. Jedoch gelang
es einigen, entweder nur B abzugeben oder gleich beide zu verlieren, was
schon für leichten Nervenkitzel im Hinblick auf die Abreise sorgte.
Dann ging es in zwei Reisebussen ab zum Hotel
„Moskwa“, das mitten im Zentrum der Stadt auf dem Newski-Prospekt lag. In
dem direkt an der „Newa“ gelegenem Hotel erwartete uns jeden Morgen ein
leckeres Büffet, unter anderem mit „Pelmeni“ (kleine Nudelteigtaschen mit
Fleisch- oder Pilzfüllung), „Kascha“ (Brei aus Buchweizen, Grieß oder
Haferflocken) und „Piroschki“ (gefüllte Blätter- oder Hefeteigtaschen)
sowie abends ein 3-Gänge-Menü. Auch unsere gemütlichen Zimmer waren nach
langen Wanderungen auf dem „Newskij Prospekt“ genau das Richtige.
Die Woche war mit vielen Emotionen und Kultur
gefüllt, so starteten wir gleich am nächsten Morgen mit einer
Stadtrundfahrt und der Besichtigung des legendären Panzerkreuzers Aurora
sowie der Peter-Pauls-Festung. An den anderen Tagen ging es weiter mit
Picasso, Repin, van Gogh und Monet in der Eremitage und im Russischen
Museum. Wir besuchten Pawlowsk und Puschkin und waren überwältigt von der
Kunst der Restaurateure, denn während des 2. Weltkrieges waren die meisten
Paläste durch Bomben zerstört oder verbrannt. Das berühmte Bernsteinzimmer
konnten wir nun in seiner vollen Pracht bewundern, unglaublich, was
Menschenhand schaffen kann.
Auch wenn dann am Nachmittag das offizielle
Programm beendet war, dachten die wenigsten an Entspannung im Hotel. So
besuchten wir die berühmte Isaaks-Kathedrale mit ihrer riesigen Kuppel,
bewunderten die Mosaikarbeiten in der Blutskirche ( hier dauerte allein
die Restauration schon 30 Jahre!)… und natürlich nicht zu vergessen
„Schwanensee“ im Marinskij- Theater! Es gibt auf der Welt wohl kein
besseres Ensemble, einfach perfekt.
Zu groß war die Begeisterung für das pulsierende,
moderne Petersburg und so fanden sich schnell neue Unternehmungen.
Entweder fuhren wir die prachtvollen Metrostationen ab, die mit den
riesigen Kronleuchtern schon mal einem Palast glichen, probierten unser
Russisch im „Magazin“ oder mieteten uns eine Limousine. Natürlich ließen
wir uns nicht nur aus Ulk in einer weißen Hummer-Stretch-Limo durch
Petersburg chauffieren – nein, wir nutzten die Gelegenheit für
Sightseeing, z.B. am Denkmal ‚Der eherne Reiter‘ oder der Admiralität.
Zwischendurch stöberten wir nach Souveniren,
obwohl es bei der riesigen Auswahl an Matrjoschkas, Bernstein und CDs sehr
schwer wurde. Kulturvoll erholten wir uns im „Literatur-Cafe“, in dem
Puschkin vorm Duell seine letzte Nacht verbrachte und probierten einige
seiner Lieblingsspeisen, dachten auch an einige seiner Werke.
Auch außerhalb von Petersburg waren wir
unterwegs, so in der 200 km südöstlich gelegenen Hansestadt „Nowgorod“, wo
wir neben den eindrucksvollen Kirchen und Klöstern auch mal einen, nach
unserem Empfinden, sehr kalten Tag erlebten.
Der 27.01. war ein besonderer Höhepunkt der
Woche. Zum einen, weil es der 65. Jahrestag der Beendigung der 900-tägigen
Blockade von Petersburg war und zum anderen, weil wir an diesem Tag zwei
Schulen besuchen wollten. Die Stadt hatte aus diesem Anlass Überlebende
der Belagerung aus der gesamten ehemaligen Sowjetunion zu Feierlichkeiten
eingeladen. Viele Veteranen, von denen auch eine große Delegation in
unserem Hotel untergebracht war. Aus Respekt vor diesen Menschen und als
Symbol des Lebens trugen wir alle eine kleine grüne Schleife an den
Jacken. Am Abend hatte wir die Möglichkeit den Piskarewskoje Friedhof, den
größten der Welt, zu besuchen. Hier fand am Tag die offizielle
Kranzniederlegung mit dem russischen Präsidenten Medwedjew statt, aber
auch viele Petersburger gedachten ihrer Angehörigen und legten still ihre
roten Nelken nieder. Das Blumenmeer war unbeschreiblich. Gegen 19 Uhr
wurde für kurze Zeit in der ganzen Stadt der Strom abgeschaltet, die
Petersburger stellten als Zeichen der Erinnerung Kerzen in ihre Fenster.
In den Schulen wurde dieser Tag würdig mit
Gedenkfeiern begangen. In der ersten Schule nahmen wir in verschiedenen
Klassen am Unterricht teil und wir staunten nicht schlecht über die
sehr guten Sprachkenntnisse der Zweitklässler. Auch wird der eine oder
andere es sich doch nochmal überlegen, bevor er sich über unseren
„strengen“ Unterricht beschwert!
Auch in „Schkola No.605“, in Russland haben
übrigens alle Schulen Nummern, mit Schwerpunkt Deutsch wurden wir sehr
herzlich mit Tee und Gebäck empfangen. Fr. Dr. Seemann knüpfte dort schon
erste Kontakte für einen angestrebten Schüleraustausch zwischen unseren
Schulen. Zunächst sollen sich die Schüler durch persönliche Kontakte
kennen lernen, was Dank der modernen
Technik ohne Probleme möglich sein wird, und für 2010 sind die ersten
gegenseitigen Besuche geplant.
Am Ende unseres Aufenthalts waren sich alle
einig, dass man doch noch eine Woche länger hätte bleiben können, da man
sich mittlerweile richtig wohl fühlte, immer häufiger versuchte, russisch
zu sprechen und anfängliche Hemmungen mehr und mehr verschwanden.
Auf alle Fälle war es für alle Beteiligten ein
unvergessliches, einmaliges Erlebnis, das uns Russland in positiver
Hinsicht näher gebracht hat und eine große Motivation für unseren
Russischunterricht darstellt.
So spricht es wohl für sich, dass Gedanken, den
Russischunterricht eventuell abzuwählen, bei den Mitreisenden völlig
abwegig geworden sind und Nicht-Russisch-Lernende nach der Woche schon
ganz passabel kyrillisch lesen können.
Darum wollen wir uns ganz herzlich für die
wirklich nicht einfachen Reisevorbereitungen bei Fr. Kurtuschin
(Russischlehrerin vom Goethe-Schiller Gymnasium) und bei Fr. Dr. Seemann
(unsere Russischlehrerin vom Friedrich-Gymnasium) bedanken.
Wer mehr sehen und wissen will über unsere Woche
in St. Petersburg, ist herzlich zum „Tag der offenen Tür“ am 21. Februar
2010 ins Friedrich-Gymnasium Luckenwalde eingeladen.
Juliane Nossack, Alice Lehnert, Franziska
Granzow, Maxi Frederike Hempel, (Schülerinnen der 11.und 12. Klasse)