Engel der Vorstadt

zurück

Engel der Vorstadt und viele Fragen

Aufführung des Friedrich -Gymnasiums im Luckenwalder Stadttheater am 3. April 2008

 

Kann sich ein gütiger, hilfsbereiter Mensch in einer Welt von Not und Elend behaupten? Wer hilft, wenn keiner sich mehr zu helfen weiß. Gibt es ein Recht auf Schwäche?

Mit diesen und ähnlichen Fragen setzte sich der Grundkurs Darstellendes Spiel der 13. Jahrgangsstufe des Luckenwalder Friedrich-Gymnasiums auf der Bühne des Luckenwalder Stadttheaters auseinander. Die Aufführung fand am Donnerstag, dem 3. April, um 19. Uhr statt.

Ein Engel - in der Vorstadt? Sie fliegen in den Lüften, heißt es, überirdische Wesen - sagt man. Ihr Platz, an dem sie vermutet werden, ist eher in der sixtinischen Kapelle, durch Michelangelos Pinsel sichtbar bemacht, aber doch nicht in einer Vorstadt. Im H9immel  - unter Gottes schützendem Gewölbe; ja! Aber niemals zwischen Fabriken, Geschäften und Wohnhäusern. Der Engel der Vorstadt aber entspricht genau diesem Widerspruch: Sie - der Engel ist weiblich - will gut sein, will helfen, will Überirisches leisten (immerhin beobachten die Götter ihre Taten, für diese ist sie der "letzte gute Mensch") und ist doch zum Scheitern verurteilt. Das irdische kann nicht einfach abgestreift werden.

Ihr Gottesgeschenk, 10000 Silberdollar, schwindet; ihrem Tabakladen, den sie gerade eröffnet hatte, droht der Ruin, in ihrer Güte und dem Willen zur Nächstenliebe fällt sie der Habgier ihrer Mitmenschen zum Opfer. Alles scheint verloren, der Engelsschein verblasst, und das Projekt der Götter, dass die Welt bleiben kann, wie sie ist, wenn nur ein guter Mensch vorhanden ist, der die Gebote aushält - unmöglich zu erfüllen, als eines Tages ein ominöser Herr Vetter auftaucht und die Geschäfte in seine Hand nimmt.

Den Schluss bestimmte das Publikum selbst.

nach MAZ vom 1.04. 2008