Kann sich ein gütiger,
hilfsbereiter Mensch in einer Welt von Not und Elend behaupten? Wer hilft,
wenn keiner sich mehr zu helfen weiß. Gibt es ein Recht auf Schwäche?
Mit diesen und
ähnlichen Fragen setzte sich der Grundkurs Darstellendes Spiel der 13.
Jahrgangsstufe des Luckenwalder Friedrich-Gymnasiums auf der Bühne des
Luckenwalder Stadttheaters auseinander. Die Aufführung fand am Donnerstag,
dem 3. April, um 19. Uhr statt.
Ein Engel - in der
Vorstadt? Sie fliegen in den Lüften, heißt es, überirdische Wesen - sagt
man. Ihr Platz, an dem sie vermutet werden, ist eher in der sixtinischen
Kapelle, durch Michelangelos Pinsel sichtbar bemacht, aber doch nicht in
einer Vorstadt. Im H9immel - unter Gottes schützendem Gewölbe; ja!
Aber niemals zwischen Fabriken, Geschäften und Wohnhäusern. Der Engel der
Vorstadt aber entspricht genau diesem Widerspruch: Sie - der Engel ist
weiblich - will gut sein, will helfen, will Überirisches leisten (immerhin
beobachten die Götter ihre Taten, für diese ist sie der "letzte gute
Mensch") und ist doch zum Scheitern verurteilt. Das irdische kann nicht
einfach abgestreift werden.
Ihr Gottesgeschenk,
10000 Silberdollar, schwindet; ihrem Tabakladen, den sie gerade eröffnet
hatte, droht der Ruin, in ihrer Güte und dem Willen zur Nächstenliebe fällt
sie der Habgier ihrer Mitmenschen zum Opfer. Alles scheint verloren, der
Engelsschein verblasst, und das Projekt der Götter, dass die Welt bleiben
kann, wie sie ist, wenn nur ein guter Mensch vorhanden ist, der die Gebote
aushält - unmöglich zu erfüllen, als eines Tages ein ominöser Herr Vetter
auftaucht und die Geschäfte in seine Hand nimmt.
Den Schluss bestimmte
das Publikum selbst.
nach MAZ vom 1.04.
2008