Gespannte Unruhe im voll besetzten
Zuschauerraum, nervöse Darsteller überprüfen durch einen Spalt in der
Kulisse, ob ihre Eltern, Geschwister, Freunde einen guten Platz ergattern
konnten, der Lehrer geht noch einmal den Szenenplan durch und überprüft,
ob alles an seinem Platz liegt.
So oder so ähnlich konnte man es in
den letzten zwei Monaten viele Male in der Aula, im Theaterraum der Schule
oder im KLAB erleben. Acht Premieren, 16 Vorstellungen von Schülern aller
Klassenstufen für Jung und Alt, für jeden Geschmack und jedes Interesse.
Die Stücke wurden selbst nach
literarischen Vorlagen entwickelt, Klassiker der Weltliteratur wurden
adaptiert bzw. für die Gegenwart aufbereitet. Zu sehen waren eine
Groteske, eine düstere Lesung, eine Collage verschiedener Varianten eines
Themas, eine Komödie, ein modernes Märchen, postmodernes und eher
traditionelles Theater auf unterschiedlichen Bühnenformen und an
wechselnden Spielorten.
Die Vorstellungen sind immer Ergebnis
eines langen Lernprozesses über 12 oder noch mehr Monate hinweg. Von ihren
Lehrern lernten die Mädchen und Jungen, Verantwortung für ihr Projekt zu
übernehmen, es immer wieder kreativ mit eigenen Ideen zu bereichern und
die Einfälle anderer anzunehmen, ihren Körper einzusetzen und ihn zu
akzeptieren. Sie konnten Vertrauen zueinander und zu sich selbst finden,
um auf der Bühne vor bis zu 150 Zuschauern zu bestehen und zu brillieren.
Spielend erschlossen sie sich die anspruchsvollen Stoffe. Auf dem
Spielplan standen Peer Gynt, Woyzeck, Don Quichotte, Die Physiker, Romeo
und Julia, Der Wunschpunsch, eine Kriminalkomödie, Darstellungen der
zerstörerischen Wirkung von harten Drogen. Dabei wurden viele Mittel des
Theaters erarbeitet und erfolgreich angewendet. Chorisches Sprechen,
Bewegungschoreographie, Rollensplitting, Tanz, Gesang, Dialoge und
Monologe, symbolische Bilder und Bewegungen, Videotechnik, Musik und
vieles mehr wurden zu einem beeindruckenden Ganzen zusammen gewoben. Da
war am Ende das meist bestaunte Auswendiglernen der Texte
selbstverständliche Nebensache. Auch das ausdrucksstarke Sprechen der
Texte, die Verkörperung einer oder mehrerer Rollen mussten gründlich und
immer wieder geübt werden. Plakat, Kulisse, Kostüme und Requisiten wurden,
einem gemeinsam erarbeiteten Inszenierungskonzept folgend,
zusammengetragen, gebastelt, angefertigt. Insgesamt konnten alle
Beteiligten ihren künstlerischen Horizont entscheidend erweitern, zur
Freude des Publikums, das gefesselt, gerührt, verunsichert, betört,
gefordert und gut unterhalten wurde.
Am Ende jeder Vorstellung nach dem
immer begeisterten Applaus bedankten sich die Lehrer bei ihren Schülern
und die Schüler bei ihren Lehrern. Beide haben ganz besonders viel
geleistet.
Je drei Stücke entstanden unter der
Leitung von Frau Ulrich und von Herrn Ulrich, eines unter ihrer
gemeinsamen Leitung und eines unter der Leitung von Frau Krause.
Therese Bendzko